Die konjunkturelle Lage in Hamburg und Schleswig-Holstein

Dez 15, 2014 | Keine Kommentare
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Die deutsche Wirtschaft und auch die im Norden sind im laufenden Jahr nicht so dynamisch gewachsen, wie es zu Beginn des Jahres erhofft und auch erwartet wurde. Dennoch sind die Entwicklungen weit von einer Krise entfernt; somit besteht auch keinerlei Anlass für Aktionismus etwa in Form von neuen Fiskalprogrammen.
In Hamburg blieb die Wachstumsrate im ersten Halbjahr mit 0,7 % deutlich unter den 1,8 %, die sich für Deutschland insgesamt ergeben haben. In Schleswig-Holstein lag die Wachstumsrate dagegen mit 3,0 % deutlich über der Gesamtdeutschen. Das vergleichsweise schwache Wachstum in Hamburg ist aber im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die Wirtschaft Hamburgs im zweiten Halbjahr 2012 nicht wie in Deutschland insgesamt eingebrochen ist. Insofern gab es auch keinen Aufholprozess. Die sehr viel stetige Entwicklung in Hamburg ist auf die hohe Bedeutung der Dienstleistungen zurückzuführen, die weniger konjunktur¬sensibel sind als die Industrieproduktion.
Eine wesentliche Stütze der Konjunktur ist im laufenden Jahr der private Konsum. Dies wird sich auch im nächsten Jahr fortsetzen. Hier zeigt sich die weiterhin sehr gute Situation am Arbeitsmarkt, was auch zu kräftig steigenden Löhnen führt. Diese führen deutlich steigenden Realeinkommen da die Inflationsrate, aufgrund von sinkenden Energie- und Rohstoffpreisen ausgesprochen niedrig ist. Bei den steigenden Löhnen ist aber auch die Gefahr einer Deflation ausgesprochen gering, vielmehr ist schon zu hinterfragen, ob die Lohnsteigerungen nicht zu hoch ausfallen und die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.
Die niedrigen Zinsen und die steigenden Immobilienpreise führen zu einer starken Zunahme der Wohnungsbauinvestitionen und gleichzeitig investiert die öffentliche Hand wieder mehr in die Infrastruktur. Insgesamt ergibt dies eine sehr positive Entwicklung in der Bauwirtschaft. Dagegen ist die Entwicklung bei den Ausrüstungsinvestitionen eher verhalten. Hier zeigt sich die große Verunsicherung, die im laufenden Jahr zu großen Teilen auf internationale Konflikte zurückzuführen ist. Es ist zu hoffen, dass sich diese im Lauf des nächsten Jahres beruhigen. Darüber hinaus ist jedoch ein großer Teil von Verunsicherungen durch die nationale und regionale Politik hausgemacht. Die wichtigsten Beispiele dafür sind:

1. Die größte Herausforderung für die Zukunft ist der demografische Wandel. Die zeitweise Absenkung des Renteneintrittsalters könnte als Signal verstanden werden, dass sich an der verlängerten Lebensarbeitszeit etwas ändern könnte und ist somit völlig kontraproduktiv.
2. Am Arbeitsmarkt war mit den Hartz-Reformen der Glaube an die Funktionsfähigkeit des Marktes zurückgekehrt. Dies hat sehr zu der guten Entwicklung der Beschäftigung beigetragen. Jetzt werden ein Mindestlohn und neue Regulierungen eingeführt.
3. Für die Energiewende hat man Marktmechanismen außer Kraft gesetzt, um mit garantierten Preisen den Ausbau der erneuerbaren Energien zu fördern. Anreize wirken und so ist der Ausbau der Erneuerbaren sehr viel schneller erfolgt als es erwartet wurde. Die Konsequenz ist, dass man jetzt nicht weiß, wie man mit der volatilen Stromerzeugung durch die Erneuerbaren umgehen soll. Gleichzeitig sind die Preise stark angestiegen. Eigentlich wäre eine radikale Umkehr in der Energiepolitik notwendig. Die würde aber – gerade im Norden – Investitionsruinen im Offshore-Bereich bedeuten.
4. Am Wohnungsmarkt sind die Preise stark angestiegen, dies hat zu einer deutlichen Verstärkung der Wohnungsbauinvestitionen geführt. Jetzt wird darüber nachgedacht, die Mietpreissteigerungen zu begrenzen.
5. Jahrelang wurde der Infrastrukturausbau vernachlässigt, jetzt wird in Hauruck-Aktionen nachgebessert. Die zum Teil geforderten Fiskalprogramme würden eine weitere Überhitzung der Bauwirtschaft mit sich bringen. Notwendig wäre vielmehr ein stetiger und planmäßiger Ausbau und Erhalt der Infrastruktur.

Eine langfristig planbare und stetige Politik würde dazu beitragen, den langfristigen Wachstumstrend anzuheben.

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