Weltraumschrott: Ein typisches ökonomisches Problem

Apr 19, 2017 | Keine Kommentare
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Von Sven Schulze

Vom 18. bis zum 21. April findet in Darmstadt die 7. Europäische Konferenz zum Umgang mit sogenanntem Weltraumschrott (7th European Conference on Space Debris) statt. Dabei gleichen die Probleme denen, die schon lange in der Umweltökonomie diskutiert werden.

Unter Weltraumschrott werden diejenigen Objekte in der Umlaufbahn der Erde verstanden, die sich dort ohne Zweck und meist als menschliche Hinterlassenschaft in Form von Satelliten, deren Einzelteilen oder anderen Kleinteilen aufhalten. Weltraumschrott stellt deshalb ein (zunehmendes) Problem dar, weil bereits kleine herumfliegende Teile massive Zerstörungen an aktiven Satelliten oder auch der Weltraumstation ISS verursachen können. Funktionstüchtige Satelliten sind jedoch mittlerweile eine zwingende Voraussetzung für die Zivilisation, wie wir sie kennen, vor allem indem sie Kommunikations- und TV-Signale übertragen aber auch militärischen Zwecken dienen.

Aufgrund des Kessler-Effektes führt jede Kollision im Orbit zu neuen Trümmerteilen, welche wiederum zu weiteren Kollisionen führen (oder deren Wahrscheinlichkeit erhöhen) und damit neue Trümmerteile verursachen. Es droht ein Kaskadeneffekt, der zu einer Vermüllung der Umlaufbahnen führen kann, so dass diese schließlich unbrauchbar für den weiteren Gebrauch werden. Je stärker diese Konsequenz auftritt, desto größer werden die Beeinträchtigungen und Gefahren für die zuvor genannten zivilisatorischen Nutzungen. Der vorhandene Weltraumschrott ist dabei das Ergebnis vorheriger Kollisionen, Abschaltungen von Satelliten und damit des Verhaltens der im Orbit aktiven Organisationen und Staaten. Laut Schätzungen der NASA haben sich so mittlerweile gut 7.500 Tonnen Weltraumschrott angesammelt.

Was ist also zu tun? Die beschriebene Situation erinnert eindeutig an Gegebenheiten, wie sie von der Erde vielfach bekannt sind. Irdische Umweltprobleme tauchen immer dann auf, wenn die Kosten der verursachten Umweltverschmutzung dem Verursacher nicht angelastet werden. Er hat damit einen Anreiz, die Umwelt überhaupt oder über Gebühr zu belasten. Dasselbe Phänomen ist beim Weltraumschrott zu beobachten. Die Verursacher des Weltraumschrotts kümmern dessen Effekte wenig. Erstens fehlt es an der Durchsetzung des Verursacherprinzips durch eine übergeordnete Instanz und zweitens entstehen zusätzliche Kosten, wenn die Entsorgung eines deaktivierten Satelliten bereits bei dessen Abschuss mit eingeplant werden muss. Es liegt damit ein klassischer Fall von Marktversagen vor, dem mit umweltökonomischen Instrumenten begegnet werden könnte. Diese (z.B. Ge- und Verbote, Steuern oder handelbare Zertifikate) sind hinlänglich bekannt und auch bereits vielfach in (irdischer) Benutzung. Allerdings bieten sie sich wohl nur zur Vermeidung weiteren Weltraumschrotts und kaum zur Reduzierung der bereits vorhandenen Mengen an, denn es sind vor allem zwei Fragen zu klären: Erstens, was passiert mit dem bereits vorhandenen Weltraumschrott bzw. wie kann dieser reduziert werden, um die oben beschriebenen Gefahren zu mildern? Und zweitens, wie kann künftig das Entstehen weiteren Weltraumschrotts vermindert werden? Während die erste Frage sowohl eine politische als auch eine technologische Komponente besitzt, dürfte die zweite Frage vornehmlich eine politische Dimension haben. An technologischen Überlegungen und Wissen mangelt es offenkundig nicht, vielmehr fehlt es eher an politischem Willen, Kooperationsbereitschaft und vielleicht an einem Blick über den ingenieurwissenschaftlichen Tellerrand hinaus. Als Blaupause mögen die Erfahrungen mit den weltweiten Klimaverhandlungen der letzten über 20 Jahre dienen. Auch hier hat die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und anderen Personenkreisen aus vielen Fachdisziplinen und Ländern schließlich zu hoffnungsvollen Ergebnissen in Paris im Jahre 2015 geführt. Umso erstaunlicher ist es, dass derartige Überlegungen in den zurückliegenden und aktuellen Diskussionen um das Phänomen „Weltraumschrott“ scheinbar kaum eine Rolle gespielt haben. Für eine langfristige Lösung dürfte dies aber sicherlich zielführend sein.

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