Evaluation der Strompreiskompensation 2021–2023: Zentrale Befunde im Überblick

Die Strompreiskompensation (SPK) ist ein zentrales Instrument, um die indirekten CO₂-Kosten für stromintensive Unternehmen im Rahmen des EU-Emissionshandels zu begrenzen. Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie haben wir gemeinsam mit Frontier Economics und Arepo Consult die Wirkungen der SPK im Zeitraum 2021 bis 2023 umfassend evaluiert.

Stark gestiegenes Fördervolumen, hohe sektorale Konzentration

Im Untersuchungszeitraum ist das jährliche Beihilfevolumen deutlich gestiegen: von rund 807 Mio. Euro im Jahr 2021 auf knapp 2,4 Mrd. Euro im Jahr 2023. Kumuliert wurden in den drei Jahren rund 4,8 Mrd. Euro ausgezahlt. Die Förderung konzentrierte sich stark auf wenige energieintensive Branchen. Die Papier- und Zellstoffindustrie (28 %), die chemische Industrie (26 %) sowie die Eisen- und Stahlindustrie (26 %) vereinten zusammen rund 80 % des gesamten Beihilfevolumens auf sich.

Auch nach Unternehmensgröße zeigt sich eine klare Struktur: Über 95 % der Mittel entfielen auf Großunternehmen, während kleine und mittlere Unternehmen nur einen sehr geringen Anteil erhielten.

Direkte wirtschaftliche Effekte: Stabilisierung statt Expansion

Zur Bewertung der direkten wirtschaftlichen Effekte nutzt die Evaluation mikroökonometrische Difference-in-Differences-Analysen auf Basis von Unternehmensdaten. Betrachtet werden unter anderem Umsatz, Profitabilität, Vermögenswerte und Beschäftigung.

Die Ergebnisse zeigen ein heterogenes Bild:

  • Für die Profitabilität (EBITDA) ergibt sich im Vergleich zu europäischen Kontrollunternehmen ein positiver statistischer Effekt der SPK.
  • Für Umsatz und Vermögenswerte finden sich hingegen teilweise negative Effekte, insbesondere im Vergleich zu Unternehmen in EU-Mitgliedstaaten ohne vergleichbare Beihilfesysteme.
  • Hinsichtlich der Beschäftigung deuten die Ergebnisse auf eine stabilisierende Wirkung hin; signifikante Beschäftigungszuwächse lassen sich jedoch nicht nachweisen.

Insgesamt wirkt die SPK damit vor allem dämpfend gegenüber wirtschaftlichen Belastungen in einem von Energiepreiskrise, geopolitischen Schocks und konjunktureller Schwäche geprägten Umfeld.

Stromverbrauch und Effizienz: begrenzte Fortschritte

Die Analyse der Produktions- und Stromverbrauchsdaten zeigt, dass der Rückgang des Stromverbrauchs in vielen Fällen mit Produktionsrückgängen einherging. Effizienzgewinne spielten eine untergeordnete Rolle. In mehreren Branchen – darunter Chemie sowie Eisen und Stahl – ist der spezifische Stromverbrauch je Tonne Output im Median sogar gestiegen. Dies kann unter anderem auf strukturelle Effekte wie die Elektrifizierung von Produktionsprozessen zurückzuführen sein.

Die berechnete THG-Fördereffizienz der SPK fällt entsprechend begrenzt aus. Die Maßnahme trägt zur Absicherung bestehender Produktionsstrukturen bei, setzt jedoch nur eingeschränkt zusätzliche Anreize für Emissionsminderungen.

Einordnung und Ausblick

Die Evaluation zeigt, dass die Strompreiskompensation im Zeitraum 2021–2023 zu einer Vermeidung der Carbon Leakes über eine Abfederung indirekter CO₂-Kosten und die Stabilisierung stromintensiver Industrien in einer Phase außergewöhnlicher Belastungen beigetragen hat. Gleichzeitig wird deutlich, dass die SPK allein kein Instrument zur Sicherung der Wertschöpfung und der Transformation in den stromintensiven Branchen ist.

Zum Download der Studie.

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